„Ist VOX jetzt echt so blöd?“

Nur 2 Gründe, warum VOX “Survivor” mal wieder in den Sand gesetzt hat!
10. April 2020
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„Ist VOX jetzt echt so blöd?“

Head Image Survivor zum Titel

Survivor Titel

Wirklich? Survivor Deutschland schon wieder versenkt?

Am zweiten Montag im Dezember flimmerte das Finale der bisher letzten deutschen Staffel „Survivor“ von VOX über die Bildschirme. Zu einer nachtschlafenden Zeit. Natürlich kaum beachtet. Der verdiente Finalist hat mehr Euros eingestrichen als bei der letzten Folge noch Zuschauer „Gesamt“ (ab 3 Jahren) dabei waren. Auf die Quoten zur werberelevante Zielgruppe (14-49 Jahre) möchte ich an dieser Stelle gar nicht eingehen.

War das Quotenschicksal? Oder hausgemacht? Ist Deutschland, das Land der Dichter und Denker, der Welt einfach mal wieder voraus? Oder gar abgeschlagen?

Die Grafik zu den Quoten der Staffel

Die Quoten über die gesamte Staffel

Im Schnitt waren es etwa so viel offensichtlich interessierte Zuseher, wie der 1. FC Köln an begeisterten Zuschauern, und hier wirklich von 3 bis oben offen, zu den ersten drei Heimspielen seit 30 Jahren ins Stadion in Müngersdorf strömen lässt. Der Kultverein steigt zwar immer wieder ab und mutet seinen Anhängern enorm hohe Frustrationstoleranzgrenzen zu, aber die Fans und Zuschauer am TV und im Stadion werden immer unterhalten. „Wenn schon kein Fußball, dann singen wir halt Karnevalslieder“. Zwei Wochen später lassen sie sich von ihrer Mannschaft wieder an der Nase herumführen und strömen trotzdem ins Stadion, sobald das Licht angeschaltet wird. Soweit, so gut. Bei Survivor hat das nachweislich nicht geklappt. Es waren etwa 1 Million (zum Vergleich: die erste Staffel bei ProSieben hatte 1,6 mio).

Doch aller Zynismus mal bei Seite: Dieser Flop von Survivor war für VOX ein wirklich, wirklich teures Abenteuer. Allein der Erwerb der Rechte an diesem weltweit sehr erfolgreichen Format ließ sich für VOX nur mit partnerschaftlichem Beistand des Streamingdienstes „TV-NOW“ stemmen. Und so eine Survivor-Produktion, gegen die ein Dschungelcamp mit festinstallierter Technik und in heimeliger Hotelparkkulisse wie ein Volontariat wirkt, muss auch erst mal finanziert sein. In der Südsee, in natürlicher Umgebung, auf einer wirklich einsamen Insel am Arsch der Welt, mit professioneller mobiler Technik und einem Team, das fast ein kleines Dorf bevölkert. Alle Achtung. Das ist schon eine Hausnummer. Ok, könnten wir jetzt denken. „Man kann halt nicht immer gewinnen“. Wirklich?

Gut. Dann mal ans Eingemachte. Hier der erste von 3 Blogbeiträgen:

Es war die zweite originale Survivor-Staffel in Deutschland. ProSieben hat es 2007 mit “Survivor Malaysia” vorgemacht und obwohl es dem Sender im Schnitt absolut mehr Zuschauer bescherte, ist es dort ebenfalls gefloppt. Aber zu der Zeit war die Fernsehlandschaft auch noch eine andere. ProSieben hielt sich einige Jahre bedeckt mit Stellungnahmen zum Misserfolg ihrer Survivor-Staffel „Malaysia“. Doch später rückten sie berechtigterweise zwar nicht vom „eigentlich guten und gelungenen Konzept und Produktion“ von Survivor ab, gaben aber zu, dass der Ausstrahlungstermin zur Primetime um 20:15 wohl ein Fehler war.

Ja. War es. Und noch einige mehr. Aber Schwamm drüber. Fehler können, dürfen und müssen sogar passieren, wenn man Neues wagt. Sonst wird es nichts Neues, vielleicht sogar Spektakuläres. Risiko.

Halten wir mal fest, was 2007 bei der Ausstrahlung von ProSieben gut funktioniert hat:

  • Ein Moderator, mit dem man durchaus Survivor identifizieren konnte. Kein Jeff Probst. Aber passte.
  • Gut gewählte Teilnehmer. Das passte.
  • Handwerklich sehr gut produziert. Das ist jetzt noch 12 Jahre später stimmig. Überzeug Dich hier!
  • Offene, realistische  Abbildung der Teilnehmer-Charaktere. Ehrlich. Echt. Authentisch.
  • Freies, ungescriptetes Konzept für die Teilnehmer
  •  Dramaturgisch spannend erzählt über die gesamte Staffel. Man braucht etwas, um die Geschichte aufzunehmen. Ab der Zusammenführung in Folge sieben dann aber richtig gut.

Und jetzt, wImage Survivor 2007as 2007 bei der Ausstrahlung NICHT funktioniert hat

  • Titel Survivor – nur im englischen durch die doppelte Bedeutung stimmig. In Deutsch funktioniert das nicht. Dazu werde ich noch einen gesonderten Beitrag schreiben. (Unglaublich, dass man darüber schreiben muss!)
  • Ein dem potentiellen Zuschauer (Zielgruppe) nicht erklärtes, komplexes, neues Format
  • Regeln ohne Aufklärung. Warum sollte ich „Schach am Strand“ anschauen, wenn ich die Regeln nicht kenne? Beim Schachspielen zuschauen ohne Regelkenntnis ist noch langweiliger als “Darts” im TV. Und es ist definitiv Schach und kein Halma. Wie lange würdest Du zuschauen?
  • Keine ausreichende Langzeit-Promotion. Reality-Echt-Wirklich! Kaum Sensibilisierung bei Presse und Zuschauer.
  • Primetime.
  • Zu langer Ausstrahlungsrhythmus. Immer Dienstags 14 Folgen von 14. August bis 17. November. Bei Vox dann das gleiche: 13 Folgen Montags  von September bis Dezember.
  • Keine Kandidaten-Vorstellung und –Einführung und damit null Identifikation des Zuschauers mit dem Teilnehmer.
  • Keine Einführung in die Anforderungen der grenzwertigen, körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit der Teilnehmer.
  • Kaum Aufklärung über die Herausforderungen einer tropischen Umgebung.
  • Ungenügende Darstellung des “Überlebens” auf der Insel.
  • starrer Aufbau der Einzelfolgen über die gesamte Staffel: 60 Minuten Sendung. Davon ¼ Spiele, ¼ Inselrat, ¼ Spieltaktiken der Teilnehmer, ¼ Werbung.
  • Falscher Sendeplatz bei ProSieben. Dienstags. In Konkurrenz zu: Zweite Folge Championsleague Start, dritte Folge zehnter Todestag Lady Diana. Fußball und die Diana-Dokus liefen bei der Konkurrenz mit Traumquoten. In Folge 4 war dann der Faden verloren.
  • In Deutschland gibt es nun mal andere Kandidaten als in den USA. Das meint auch Holger Speckhahn, der Moderator des Survivor-Ablegers “Inselduell” aus 2001, in einem Interview aus 2013. Man hätte es bei VOX also schon wissen können. Und in dem Fall auf die guten Vorschläge der Castingagentur “Fameonme” auch im Einzelfall hören sollen. Hier bei uns haben die Menschen eine andere Mentalität. Sowohl als Teilnehmer und natürlich auch als Zuschauer. Das können wir nicht ändern. Aber dann sollte das Format auf DEUTSCHE Mentalität zugeschnitten werden. So kann ein „Deutsches Survivor“ mit Wiederkennungseffekt entstehen.
  • und …
  • und …
  • und …

Machen wir an dieser Stelle erst mal Schluss mit der Liste.

Denn was wäre eine Kritik ohne konstruktive Vorschläge.

hier klicken, wenn Du mehr wissen möchtest über “2 Gründe, warum VOX das in den Sand gesetzt hat.”

1/3 Beitrag von Volker Görnert, Survivor 2007, 16.12.2019 (überarbeitet 22.12.19|18.04.2020)

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